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Das Fazit der Regionalkonferenz wurde mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen: wir leben länger, bleiben länger gesund und können länger am Arbeitsleben teilhaben. Aber es gibt immer weniger junge Menschen - das heißt: die Gesellschaft altert, ohne daß eine ausreichend starke Basis junger Menschen nachwächst. In der Zukunft brauchen die europäischen Gesellschaften eine total veränderte Gesundheitspflege und Sozialpolitik.
Aufgrund der niedrigen Geburtenraten in den Ländern Europas von 1,3-1,4 Kinder pro Frau (notwendig für eine natürliche Reproduktion wären 2,1) wird nur in einigen Ländern Europas eine wachsende Bevölkerungszahl auf Grund von Migrationsprozessen erwartet. Die damit einhergehende und heute schon deutlich sichtbare Überalterung der Bevölkerung führt dazu, dass 2060 auf jeweils einen Rentner nur noch zwei Verdiener kommen. Heute sind das noch vier Menschen im arbeitsfähigen Alter, die die Rente für eine Person erarbeiten können. Frau Alexandrescu vom Nationalen Institut für Statistik in Rumänien stellte fest, dass sich Rumänien im europaweiten Trend bewegt und dass dringend Handlungsfelder für die Politik definiert werden müssen. Sie bewertete die Konferenz als wichtige Maßnahme, schrittweise die Politiker mit dieser Thematik zu konfrontieren. Auch die Daseinsvorsorge von Seiten des Staates in Richtung der technischen und sozialen Infrastruktur wurde problematisiert. Dazu sprachen Experten aus Brandenburg wie Hathumar Drost, Geschäftsführer der complan-Kommunalberatung und Claudia Mier im Namen der Regionalen Planungsstelle Havelland-Fläming. Während Drost auf die Folgen der demografischen Entwicklung für die Städte einging, stellte Mier ein europäisches Projekt finanziert von INTERREG III B vor, das mit dem Namen „Hinterland“ zugleich Programm war. Die Untersuchungen in Ländern und Kommunen zeigten, dass es keine Gesetzmäßigkeit für Verlierer und Gewinner des demografischen Wandels gibt. 1m Ergebnis des Projektes wurde eine interaktive Website erarbeitet, mit deren Hilfe Kommunen selbst testen können, wie die künftige demografische Entwicklung die Existenz ihrer Kommune gefährdet. Anlässlich dieser Regionalkonferenz weilte auch der Bevollmächtigte für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, Staatssekretär Dr. Gerd Harms, bereits das zweite Mal innerhalb von vier Monaten in diesem Jahr in der Region Mitte. Eröffnet vom neu gewählten Präsident des regionalen Entwicklungsrates, Herrn Ion Dumitrel. waren Fachleute und Politiker aus der Region Mitte und darüber hinaus geladen. Aus fachlicher Sicht war die Konferenz ein großer Erfolg und hat die Erwartungen erfüllt – so Herr Simon Cretu, Generaldirektor der ADR 7 Centru, die diese Konferenz organisiert hat. Die ADR 7 Centru hatte sich allerdings mehr Zuspruch von Seiten der Kommunalpolitiker versprochen. Doch politische Akzeptanz schlechter Prognosen ist stets problematisch und hat auch im Land Brandenburg Jahre gedauert, stellte Herr Wolf Beyer fest. Er arbeitet seit nunmehr 7 Jahren in der Region Mitte als Experte für demografische Entwicklung und konzentrierte sich in seinem Vortrag auch auf einen Vergleich der demografischen Entwicklung und Prognosen in beiden Regionen. Gemeinsamer Tenor aller Vorträge war, dass fortschreitende Schrumpfung der Bevölkerungszahl und die Veränderung der Altersstruktur in Richtung einer Überalterung drastische Auswirkungen auf eine langfristige Sozialpolitik haben. Das betrifft Anreize für Familienplanung, Thematisieren der Notwendigkeiten in der Altenpflege- und Einstellung auf die Herausforderungen an die Gesundheitspolitik. Die langfristigen Folgen dieser Prozesse lassen allerdings schon heute in fast allen europäischen Staaten die Alarmglocken schrillen. Denn wenn man diese Prozesse steuern oder wenigstens beeinflussen möchte, dann müssen die Weichen dafür jetzt gestellt werden. Derartige Konferenzen sind u.a. geeignete Formen, die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik auf diese Entwicklungen aufmerksam zu machen, sollen und müssen stattfinden. Die Ergebnisse müssen möglichst breit kommuniziert werden. Nur dann wird aus einem Gestaltungswillen auch nachhaltige Entwicklungspolitik.
Folgende Schlussfolgerungen wurden aus der Konferenz gezogen:
- über die Folgen des demografischen Wandels muß offen und ehrlich diskutiert werden;
- auf die Prognosen – selbst die optimistischeren – muß eine grundlegende Reaktion erfolgen;
- die Prozesse bilden sich gesamteuropäisch ab – im Land Brandenburg und in der Region Centru vollziehen sich vergleichbare Prozesse;
- die wirtschaftlich schwachen und die ländlichen Regionen verlieren stärker und schneller, ebenso wir Frauen stärker und schneller von den Prozessen erfasst werden;
- es ist eine gemeinsame Diskussion auf europäischer Ebene erforderlich und die Förderstrategie der europäischen Union muß sich auch auf derartige Wandlungsprozesse einstellen und nicht mehr nur Wachstum zum Gegenstand von europäischer finanzieller Unterstützung machen;
- bei Projekten, die mit europäischen Strukturfonds oder durch EU-Programme gefördert werden sollen, wäre ein Demografiecheck hilfreich, um Fehlausgaben zu vermeiden;
- gravierende Bevölkerungsverluste können nur in ökonomisch gesunden Regionen durch Migration vermieden werden;
- die natürliche Bevölkerungsentwicklung wird sich im Trend nicht verändern: die gesundheitliche Betreuung und die Entwicklung in der Medizin führt zu einem höheren Sterbealter;
- in den modernen entwickelten Ländern wird sich die Geburtenrate nicht drastisch erhöhen;
- in Dänemark und Frankreich zeigt sich, dass sich durch die Emanzipation der Frau und entsprechende staatliche Verantwortung für die Kinder eine Geburtenrate auch wieder stabilisieren kann;
- im Durchschnitt eine positive Entwicklung heißt auch einerseits: wir leben länger und gesünder; andererseits muß auch mit einem höheren Aufwand bei Pflegeleistungen gerechnet werden;
- Das heißt: es darf kein Geld verpulvert werden, die Ausgaben und die Kapazitäten müssen entsprechend der Analysen und Prognosen effizient gebündelt und eingesetzt werden.
(Geschrieben: Juli 2009) |