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Die Region Centru ist geologisch gesehen ein Plateau. Im Osten und Süden wird es durch den Karpatenbogen begrenzt. Im Westen (im Kreis Alba) befindet sich das Apuseni-Gebirge. In der Region Centru finden sich bedeutende Methan-Reserven, Gold- und Silberlager, Buntmetalle, nichtmetallische Erze, Salz, Mineral- und Thermalwasser. Erdöl und Erdgas ergänzen die Palette der Bodenschätze. Mehr als ein Drittel der Oberfläche ist von Wald bedeckt. Das Gebiet hat wichtige hydrographische Ressourcen.
Historisch - in der Antike - gehörte die Region Centru zum Königreich Dakien und war ab dem Jahre 106 n. Chr. Mittelpunkt der nordöstlichsten römischen Provinz Dacia. Die Region Centru bildet territorial gesehen den größten Teil von Transilvanien. Die Bewohner dieser Region hatten maßgeblichen Anteil daran, dass die Türken nicht bis nach Wien vorrücken konnten. Transilvanien entwickelte sich im Mittelalter als Teil des Königreiches Ungarn und gehörte von 1711 bis 1918 der österreichisch-ungarischen k.u.k. Monarchie an.
Transilvanien ist der lateinische und rumänische Name für Siebenbürgen. Dieser leitet sich wahrscheinlich von den sogenannten sieben Stühlen ab. Das waren Einheiten der Gerichtsbarkeit (jeder Stuhl besaß einen Königsrichter, der alleine dem König unterstellt war). Aus diesen Stühlen entwickelten sich im Mittelalter größere und bedeutsame Städte wie Kronstadt (Brasov), Schäßburg (Sigishoara), Mediasch (Medias), Hermannstadt (Sibiu), Mühlbach (Sebes), Bistritz (Bistrita-Nasaud) und Klausenburg (Cluj-Napoca). Ökonomisch gehört die Region Centru zu den stärksten des Landes. Abbau von nichteisenhaltigen Erzen (das legendäre Gold der Römer wurde erst Anfang 2003 (wieder-)gefunden), Rüstungsindustrie, fruchtbare Böden, Verhüttung und Schwermaschinenbau sowie eine sehr traditionsreiche Textilindustrie sind nach wie vor das Rückgrat der Region. Aber in den letzten Jahren haben Wirtschaftszweige wie Lasertechnik, Elektronik und Elektroindustrie, Informatik und vor allem die Dienstleistungsbranche an Bedeutung gewonnen. Touristisch gehört die Region Centru sicherlich zu den attraktivsten Gegenden Europas. Folgende Industriebranchen bestimmen das Bild der Wirtschaft in der Region:
- Metallverarbeitung und Maschinenbau (insbesondere in den Kreisen Alba, Sibiu und Brasov)
- Automotive und Autozulieferindustrie (vor allem in den Kreisen Sibiu und Brasov)
- Luftfahrtindustrie (Produktion und Reparatur von Hubschraubern und Flugzeugen in Brasov)
- Bauindustrie
- Elektroindustrie
- Textilindustrie (insbesondere in Kreisen Brasov und Covasna)
- Lederwaren und Lederverarbeitung
- Holzproduktion und Holzverarbeitungsindustrie
- Papier- und Verpackungsindustrie (vor allem in den Kreisen Alba und Brasov)
- Informationstechnologie
- Chemische Industrie (vor allem in den Kreisen Brasov und Mures)
- Lebensmittelindustrie
- Konsumgüterindustrie
- Pharmazeutische Industrie
- Logistik und Distribution (in den Kreisen Brasov, Alba, Sibiu und Mures)
- Tourismusgewerbe in allen Kreisen
Die Landwirtschaft ist gut entwickelt, der Qualitätsweinbau (u.a. das Weingut Jidvej) bildet ein wichtiges Standbein. Die Lebensmittelindustrie kann auf eine lange Tradition verweisen. Viehzucht und Ackerbau haben in der agrarisch strukturierten Region existentielle Bedeutung. Für die kleinräumige Landwirtschaft führte der Beitritt des Landes zur EU zu einer längeren Transformationsphase, die noch nicht abgeschlossen ist. In der Region sind große Traditionsbetriebe wie Geflügelfarmen und Schlachthöfe mit nationalem Profil angesiedelt. Der ländliche Raum ist bezüglich der Energieversorgung problematisch, da viele Dörfer oder Ortsteile in den Bergen liegen und schwer zugänglich sind. Daher gibt es ein starkes Interesse an dezentralen Energieversorgungslösungen. Das forstwirtschaftliche Potenzial lässt auch ein Pelletsproduktion für die Energieversorgung in größerem Umfang sinnvoll erscheinen. Ebenso gibt es erste Anfänge im Anbau und in der Nutzung von Energiepflanzen. Insbesondere für die Kartoffelbauern scheint dies eine sinnvolle Alternative für die Existenzsicherung. Die Region Centru - wie ganz Rumänien - verfügt europaweit gesehen über die größten zusammenhängenden Waldgebiete mit einem gesunden Bestand an unterschiedlichen Hölzern. Rumänien hat große Erfahrungen in der großflächigen Bewahrung des natürlichen Ökosystems des Waldes, die von Wissenschaftlern und Forstwirten in ganz Europa studiert werden. Ein großer Teil der Waldflächen ist noch nicht durch den Menschen bewirtschaftet. Derartige Flächen werden gerade von deutschen Forschern gerne und oft besucht, um entsprechende Studien zu erarbeiten. Rumänien hat seit der 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine recht eigenständige Forstpolitik betrieben, sich von Deutschland und Frankreich abgesetzt und sich stärker auf die ökologische Rolle des Waldes orientiert. Dabei ist die Frage der Produktion hinten angestellt worden. In Folge dessen gibt es im Bereich der Nutzung der forstwirtschaftlichen Potentiale Nachholbedarf, aber in Fragen der ökologischen Einflussnahme auf den Bestand der Wälder sind unschätzbare Erfahrungen gesammelt worden. Die Wälder sind weniger künstlich. Es herrscht eine konservative Verwaltung (konservativ im Sinne der Vorsicht, Neues auszuprobieren, sich nichts vorschreiben zu lassen). Es gibt mehr Geduld beim Wandel des Waldes. Genannt seien die Buchenwälder, wo Untersuchungen zu den Existenzbedingungen der Ökosysteme angestellt werden. Auch an Bodenschätzen ist die Region Centru (wie oben erwähnt) reich. Dazu gehören Lagerstätten von Erdöl und Erdgas, aber auch Gold und Silbervorkommen. Roşia Montană zählt zu den ältesten und bedeutendsten Gold-Lagerstätten Europas. Seit über 2000 Jahren wird hier Gold abgebaut, Herodot erwähnt schon den Goldabbau der Agathyrsen – ein verwandter Stamm der Skythen – in der Region. Unter anderem wegen dieser reichen Goldvorkommen machte Kaiser Trajan im Jahre 106 n. Chr. die Gebiete nördlich der unteren Donau Dacia zur römischen Provinz. Viele Tonnen Gold wurden über den schiffbaren Fluss Mureş zur Donau, dort weiter ans Schwarze Meer und nach Rom gebracht. Die wirtschaftlichen Einrichtungen und die Infrastruktur verfielen in der Spatäntike und im Mittelalter. Der Ausbau der Bergwerke während der k.u.k.Monarchie erfolgte mit Hilfe deutscher Bergarbeiter, was auch die Landschaft prägte: Bergdörfer im Stile der früheren Heimat zierten die Landschaft der Karpaten. Die Transportinfrastruktur sowohl Schiene als auch Straße ist gut entwickelt. Durch die Region geht ein Grossteil des Transitverkehrs zwischen West- und Südosteuropa (z. B. Deutschland-Türkei/Naher Osten). In der Region gibt es zwei Flughäfen (Targu-Mures und Sibiu). Ein dritter Flughafen ist in Brasov geplant. Zwei Autobahnen durch die Region befinden sich im Bau. Das Schienennetz wird rekonstruiert. Knapp 12% des Bruttoinlandsprodukts Rumäniens wird in der Region Centru erzeugt (2008). 2006 betrug das BIP pro Kopf in Centru 4.725 €. Ungefähr 45 % des BIP der Region Centru wurde im Dienstleistungssektor (39,3 % der Beschäftigung), 35 % im Industrie und Baugewerbe (34 % der Beschäftigung) und 12 % durch die Landwirtschaft (26,7 % der Beschäftigung) erzeugt. Nur zwei der sechs Kreise hatten 2005 ein niedrigeres BIP pro Kopf als der nationale Durchschnitt (diese sind Harghita mit 93,49 % und Covasna mit 96,74 %), die anderen vier Kreise lagen über den Durchschnitt des Landes: Alba: 104,62 %, Mures: 108,87 %, Sibiu: 125,59 % und Brasov: 134,55 %. Trotz des hohen BIP pro Kopf ist das durchschnittliche Gehalt in der Region niedriger als der nationale Durchschnitt. Die Arbeitslosenquote schwankte im Jahre 2007 (4,9 % im Durchschnitt für die Region Centru) von 3,2 % im Kreis Sibiu bis zu 7,2 % im Kreis Covasna. Während die Arbeitslosigkeit im Laufe der letzten Jahre abnahm, blieb das Arbeitsplatzangebot in Centru fast unverändert. Eine große Gefahr für einen weiteren Aufschwung der Region liegt in der hohen Zahl der Abwanderungen von qualifizierten Arbeitskräften und Spezialisten ins Ausland. Historisch durch die Ansiedlung von Deutschen und Ungarn bedingt, hat die Region Centru ein großes Reservoir an qualifiziertem mehrsprachigen Potenzial an Arbeitskräften, vor allem ungarisch, deutsch und englisch. Gut ausgebildete und erfahrene Ingenieure gibt es im Maschinenbau, in der Textilproduktion, in der Holz-, Nahrungsgüter-, Verpackungs- und Chemieindustrie. Informatiker und Energieingenieure haben einen international anerkannten Ruf. Die Region Centru verfügt über 6 staatliche Universitäten, darunter die internationale renommierte Transilvania-Universität in Brasov. Die gute fachliche Ausbildung in Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Elektrotechnik, Informatik gepaart mit ausgezeichneten Sprachkenntnissen zieht nach wie vor in- und ausländische Investoren in die Region. Die Universität Transilvania Brasov baut gegenwärtig das nationale Forschungskompetenzzentrum im Bereich der erneuerbaren Energien auf. Rumänien beginnt mit einer systematischen touristischen Entwicklung. Dabei steht sowohl das Potential am Schwarzen Meer als auch das in den Bergen im Zentrum der Verbesserung der touristischen Dienstleistungen. Regionale Entwicklungs- und Aktionspläne sollen den rumänischen Tourismus für In- und Ausländer erheblich attraktiver gestalten. In der Region Centru heißt das vor allem, die Besonderheiten zu erkennen und richtig zu nutzen – zum Beispiel weniger auf Massentourismus zu setzen, sondern die Eigenarten der Natur- und Kulturlandschaften individuell zu vermarkten: reizvolle Landschaften, wichtige Kulturdenkmäler wie die Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen als Ausdruck einer Architektur, in deren Zentrum der evangelische Glauben stand: „Eine feste Burg ist unser Gott, eine gute Wehr und Waffen.“ Aber auch Vlad Tepes als Vorbild für den Dracula-Erfolgsroman von Bram Stoker gibt den Siebenbürgischen Wäldern ein besonderes Flair, das durch die großen Zahlen frei lebender wilder Tiere wie Bären in seiner Attraktivität für Abenteuertouristen noch verstärkt wird. Insbesondere die einzigartige Lage (entlang des Karpatenbogens) und die historisch gut erhaltenen Stadtkerne von z. B. Brasov (Kronstadt), Sibiu (Hermannstadt) und Sigishoara (Schäßburg), die im 13. und 14. Jahrhundert durch die Zipser Sachsen gegründet wurden, und die so genannten Kirchenburgen sind wesentliche touristische Attraktionen. Die letzteren sind Wehranlagen, die man in dieser großen Zahl nur hier findet, und die dem Schutz der Bevölkerung und der Verteidigung vor fremden Eindringlingen dienten. Allein zwischen Hermannstadt und Kronstadt gibt es mehr als 500 Kirchenburgen. Deutschstämmige siedeln seit fast 1000 Jahren hier, ihre Zahl hat in den letzten Jahren aber stark abgenommen, und viele deutsche Siedlungen sind dem Verfall preisgegeben. Mit finanzieller Unterstützung durch die Strukturfonds der Europäischen Union sowie bilaterale Finanzierungen beginnt man, dem Verfall erfolgreich entgegenzuwirken. |